Schwachpunkt Niere: CNE bei der Katze

Foto: Stewart - FotoliaWAS TUN, WENN DIE NIEREN STREIKEN?

Die Niere, das unverzichtbare Hochleistungsorgan – ein Filter mit lebenswichtigen Aufgaben

Eine der am häufigsten vorkommenden Krankheiten bei Katzen ist die chronische Nierenerkrankung (CNE). Die Krankheit ist fortschreitend, d. h., dass die Niere nicht plötzlich „dicht“ macht, sondern sich die Nierenfunktion nach und nach verschlechtert. Dieser Prozess kann lange dauern, meist Monate oder sogar Jahre. Leider ist die Krankheit unheilbar, denn die Niere kann sich, genau wie beim Menschen, nicht selbst regenerieren. Erst wenn bereits 65–70 Prozent der Nephrone zerstört sind, kommt es zu klinischen Symptomen. Bis dahin kann die Niere ihren Schaden sehr gut kompensieren, denn bis zu diesem Zeitpunkt werden die Aufgaben der zugrunde gegangen Nephrone durch Mehrarbeit der funktionsfähigen Nephrone ausgeglichen. Die Anfangsstadien einer Nierenerkrankung bleiben daher bei vielen Tieren über einen langen Zeitraum (Monate bis Jahre) unerkannt. Deshalb ist es auch schwierig, auslösende Ursachen zu ermitteln. Hinzu kommt, dass Katzen Meister im Verdecken von Symptomen sind.


Aufgaben der Nieren

Als Filter haben die Nieren die Aufgabe, den Körper von Überschüssigem zu befreien: Die Nieren reinigen das Blut und sorgen dafür, dass giftige Stoffwechselprodukte über den Harn ausgeschieden werden. Dafür sorgen bei Katzen knapp 200.000 Nephrone. Die Nieren konservieren aber auch Substanzen, die dem Körper erhalten bleiben sollen, sie regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt durch Ausscheidung eines konzentrierten oder verdünnten Urins bzw. Einstellung der Ausscheidungs-/Resorpotionsrate der einzelnen Elektrolyte. Sie regeln den Säure-Basen-Haushalt, indem sie sauren oder alkalischen Urin ausscheiden und endokrine Funktionen durch Metabolismus und Produktion von Hormonen (Stimulation der Blutbildung, Regulation des Blutdrucks) übernehmen.


Ursachen und Vorkommen der Erkrankung

Die CNE der Katze ist eine Erkrankung, die v. a. ältere Katzen betrifft. Ca. 10 Prozent aller Katzen über 10 Jahre und sogar 30 Prozent aller Katzen über 15 Jahre weisen eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. CNE gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen!


Mögliche Ursachen einer chronischen Nierenerkrankung können sein:

  • Folgeerkrankung einer akuten Nierenerkrankung (z. B. durch Vergiftung)
  • Angeborene oder erbliche Faktoren, u. a. Schrumpfnieren, Zystennieren
  • Entzündungen der Nieren oder der harnableitenden Wege

Unbewiesene Ursachen sind:

  • Zahn- oder Zahnfleischerkrankungen
  • Trockenfutterernährung
  • Bluthochdruck, Impfungen, Kaliummangel

Im Folgenden habe ich einige Ratschläge und Informationen zusammengefasst, die dem betroffenen Tierhalter helfen können.


Alarmsignal – wenn die Katze Durst hat

Die Katze, als Nachfahre eines Wüstentiers, kann den Harn sehr gut konzentrieren. Eine Katze, die artgerecht ernährt wird, trinkt i. d. R. nur wenig. Wenn die Nieren krank sind, ist der Wasserhaushalt gestört – d. h., wenn die Katze anfängt, vermehrt Durst zu zeigen und häufiger und reichlich Urin absetzt, ist dies kein Anlass zur Freude. Neben Entzündungen, Diabetes oder einer Schilddrüsenüberfunktion ist die chronische Nierenerkrankung die häufigste Ursache für einen gesteigerten Durst bei Katzen. Eine gesteigerte Wasseraufnahme ist also immer ein wichtiger Grund, eine eingehende Harn- und Blutuntersuchung durchführen zu lassen.


Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit

Weitere Symptome, die auf eine Nierenerkrankung hinweisen können, sind Störungen des Verdauungsapparates, die sich durch Übelkeit und Erbrechen zeigen. Appetitlosigkeit, Abmagerung, chronische Entzündungen in der Maulhöhle, blasse Schleimhäute oder ein stumpfes Fell sind weitere typische Symptome. Die Ursache für Übelkeit und Erbrechen ist meistens ein Magensäureüberschuss. Insbesondere wenn bei einer Blutuntersuchung der Harnstoff erhöht ist, kann es gut möglich sein, dass die Katze daran leidet. Gurgelt der Magen und/oder die Katze zeigt wenig bis gar keinen Appetit, erbricht klaren oder weißen Schaum, knirscht mit den Zähnen oder kauert mit dem Kopf über der Wasserschüssel, sollte man an einen Magensäureüberschuss denken.

Der Einsatz von fermentierbaren Fasern ist ein wichtiger Bestandteil der diätetischen Therapie bei Nierenerkrankungen. Gute Erfolge habe ich mit Pektin. Pektin führt zur Beschleunigung der Darmpassage und zur Bildung von kurzkettigen Fettsäuren, die zu einer pH-Wert-Senkung im Darmchymus führen. Dadurch wird die Absorption von Ammoniak und anderen Metaboliten des Proteinstoffwechsels reduziert. Die Wirkung basiert auf der Umwandlung von Ammoniak bei saurem Darm-pH zu Ammonium, das dann wiederum mit dem Kot ausgeschieden wird. (Ammoniak entsteht beim Aminosäureabbau und wirkt in hoher Konzentration giftig auf die Zellen. Um dem Anstieg einer Ammoniakkonzentration entgegenzuwirken, wird Ammoniak über den Harnstoffzyklus in den ungiftigen Harnstoff umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden.)
Zusätzlich kann man gegen Magensäureüberschuss Slippery Elm Bark (kurz: SEB, also Ulmenrinde) verwenden. Die Ulmenrinde hat einen beruhigenden und reinigenden Effekt, was bei angegriffenen Magenwänden sehr hilfreich ist. Der Hauptbestandteil der Ulmenrinde ist der Schleim, der im Bast des Inneren der Rinde enthalten ist. Bei der inneren Anwendung der Ulmenrinde erfasst der Schleim Abfallstoffe in allen Bereichen des Körpers, einschließlich des Darmes, und hilft dann, sie auszuscheiden. Somit ist die Ulmenrinde auch ein hervorragendes Entgiftungsmittel.
Für Katzen stellt man am besten einen Sirup mit folgender Mischung her: Acht Teile der glatten Ulme mit acht Teilen kaltem Wasser mischen, die Mischung unter ständigem Rühren zum Kochen bringen und dann abkühlen lassen. Von dieser Masse ca. fünf Milliliter in einer Einwegspritze aufziehen und der Katze verabreichen. Verabreichungszeit ist am besten am Abend, damit sich über Nacht die Schleimhäute des Magens gut erholen können.

Die Schulmedizin wird mit Famotidin (Pepcid akut), Cimetidin, Omeprazol oder Ranitidin gegen die Übersäuerung vorgehen.
Meiner Erfahrung nach kann man die Verabreichung dieser übelschmeckenden Medikamente einem Tier ersparen, wenn man durch eine angepasste Ernährung und durch Zugabe von fermentierbaren Fasern (Pektin) den Harnstoff gewissermaßen im Griff hat.

Weitere Maßnahmen bei CNE

Foto: KnorrFlüssigkeitsaufnahme
Es sollte den Tieren ständig frisches Wasser zur Verfügung stehen. Katzen, die nicht gerne trinken, kann man mit einem Trinkbrunnen zu mehr Flüssigkeitsaufnahme animieren.

B-Vitamine
Da bei einer Nierenerkrankung die Urinausscheidung erhöht ist, kommt es zu einem Mehrbedarf an wasserlöslichen Vitaminen (B-Vitamine). Die Dosierung von B-Vitaminen kann man um das Dreifache des Bedarfes erhöhen. B-Vitamine können oral gegeben werden, indem man sie z. B. unter die Futterration mischt. Gute Erfahrungen gibt es mit dem B-Komplex von Ratiopharm (Anhaltspunkt: 1/3 Kapsel pro Tag auf mehrere Mahlzeiten verteilt unter das Futter geben).

Infusionstherapie
Infusionen können wie eine Art Dialyse wirken und das Blut reinigen. Am besten können Infusionen (subkutan) von Tierhaltern nach Anleitung des Tierarztes oder Tierheilpraktikers stressfrei zu Hause durchgeführt werden. Das Wohlbefinden eines Tieres kann durch regelmäßige Infusionen erheblich gesteigert werden.

Foto: KnorrKlassische Homöopathie
Viele Katzenbesitzer sind auf der Suche nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, wenn ihre Katze die Medikamente nicht verträgt oder die Schulmedizin nicht weiterhelfen kann.
Die Geschichte der Tierhomöopathie ist alt. Hahnemann selbst behandelte bereits Tiere. Auch Clemens von Bönninghausen wendete Homöopathie bei den Tieren auf seinem Gut an. Das Grundprinzip der Homöopathie lautet „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“ oder lateinisch ausgedrückt „Similia similibus curentur“.

Wie beim Menschen wird beim Tier eine genaue Fallaufnahme, die Anamnese, durchgeführt. Die Anamnese erfasst nicht nur die Art der Krankheit, sondern auch die Art und Weise, wie, wann, seit wann, warum und wo der Patient leidet und welche Begleiterscheinungen und Gemütsverfassung dabei auftreten. Das Bild des Patienten – die „Gesamtheit seiner Symptome“ – muss in Beziehung gesetzt werden zu den Arzneimittelbildern. Das dem Patienten ähnlichste Mittel, das Simillimum, wirkt dann als spezifisches Heilmittel für den Patienten.

Wichtig ist, zu verstehen, dass die Homöopathie keine Allgemeinrezepte hat, sie ist eine Individualtherapie. Jede Katze und jede Krankheit hat ihre Eigenarten und benötigt deshalb eine individuelle Behandlung. Die Homöopathie von Hahnemann stellt die Individualität des Patienten in den Vordergrund. Es geht darum, das Tier zu heilen, nicht darum, Krankheiten bzw. Symptome zu beseitigen.

Natürlich kann die Homöopathie keine Wunder bewirken, insbesondere nicht bei einer unheilbaren Erkrankung. Jedoch ist sie, korrekt angewandt, in der Lage, einen Krankheitsstand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.

Nierendiät
Der Bedarf an Protein ist bei der Ernährung der Katze relativ hoch. Nierenkranke Katzen bauen i. d. R. körperlich schnell ab. Daher ist es wichtig, auf eine hochverdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an täglichem Proteinbedarf zu achten. Katzen, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung befinden, sind meist bereits appetitlos. Die Verabreichung von Nierendiäten bereitet da häufig große Probleme. Eine gezielte Fütterung kann bei frühzeitiger Diagnose die noch funktionstüchtigen Anteile der Niere entlasten und weitere Nierenschädigungen verzögern, was eine verlängerte Überlebenszeit und eine verbesserte Lebensqualität ermöglicht.

Wichtig ist, dass eine Balance gefunden wird zwischen der Deckung des Protein- und Aminosäurenbedarfs einerseits und einer Einschränkung bzw. Linderung der Azotämie und Urämie bei Nierenerkrankung andererseits.

Das im Futter enthaltene Eiweiß sollte von bester Qualität sein, damit es vom Körper optimal verwertet werden kann und möglichst wenige Abfallstoffe entstehen, die die Nieren belasten könnten (es sollten keine undefinierten tierischen Nebenerzeugnisse wie Schlachtabfälle und auch kein Getreide verfüttert werden). Energie sollte die Katze hauptsächlich aus Fetten (auch wieder hochwertig) erhalten.

Der Proteingehalt sollte entgegen den veralteten und mittlerweile korrigierten Empfehlungen nicht stark reduziert werden, sondern die Nahrung soll nach der Verdaulichkeit und Bioverwertbarkeit der Proteine ausgesucht werden und sie soll bedarfsgerechte Proteinmengen (Erhaltungsbedarf) enthalten. Der Energiebedarf muss gesichert sein. Fermentierbare Fasern, die zur Entlastung der Niere dienen, sind von großem Vorteil.

Ein Phosphorüberschuss muss auf jeden Fall vermieden werden. Dazu kann z. B. auch ein Phosphatbinder eingesetzt werden.

Fleisch darf unter keinen Umständen pur gefüttert werden, sondern es muss für ein geeignetes Calcium/Phosphor- Verhältnis gesorgt werden. Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor sollte in der Futterration bei 1:1 bis 2:1 liegen, optimalerweise bei 1,3:1. Bei einer nierenkranken Katze je nach Blutwerten 1,4:1 bis 1,8:1.

Einer nierenkranken Katze sollten täglich mehrere kleine Mahlzeiten gegeben werden, um der typischen postprandialen (nach einer Mahlzeit) Übelkeit vorzubeugen.

Werden die wichtigsten Grundregeln der Behandlung von CNE beachtet und die Krankheit nicht erst im Endstadium bemerkt, ist es häufig möglich, das Leben des Tieres bei guter Lebensqualität deutlich zu verlängern. Es gibt viele Katzen, die gut mit einer eingeschränkten Nierenfunktion (weniger als zehn Prozent) leben können. Deshalb sollte man nicht gleich resignieren, wenn der Tierarzt sagt, dass die Katze bereits zwei Drittel der Nierenfunktion verloren und nicht mehr lange zu leben hat.


INGE KNORR
INGE KNORR
TIERHEILPRAKTIKERIN IN EIGENER PRAXIS



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  • Klassische Tierhomöopathie
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  • Erkrankungen der Katze
    Insbesondere: Chronische Nierenerkrankung der Katze, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes der Katze

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