Gorillas im Nebel: Wie verwandt sind Gorilla und Mensch?

Gorillas im Nebel menschlicher VerwandtschaftMenschenaffen gelten als die engsten Verwandten des Menschen. Der Begriff „Menschenaffe“ ist wissenschaftlich betrachtet eigentlich nicht genau genug definiert, da es neben den uns im herkömmlichen Sinn bekannten großen Menschenaffen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans auch kleine Menschenaffen gibt, zu denen z. B. die Gibbons zählen. Menschenaffen zeichnen sich gegenüber anderen Affenarten durch spezielle Merkmale aus, die den Merkmalen des Menschen sehr ähnlich sind. Sie sind ausgesprochen intelligent, haben keinen Schwanz, weisen ein gutes Farbensehen auf, zeigen eine menschenähnliche Mimik und bilden soziale Gruppen. Auch ihr Becken ist anatomisch gesehen leicht nach vorne geneigt, sodass ein aufrechter Gang möglich ist, wenn auch nur gebückt. Im Unterschied zum Menschen sind Menschenaffen fast alle Vegetarier und ernähren sich überwiegend von Früchten.

Gorillas leben in familiären Gruppen von bis zu 30 Mitgliedern zusammen, die aus mehreren weiblichen und einem dominanten männlichen Tier, dem Silberrücken, bestehen. Innerhalb der familiären Gruppe herrscht eine klare hierarchische Struktur. In einigen Belangen ähneln sie dem Menschen dabei so sehr, dass einem ihre Verhaltensweisen durchaus vertraut erscheinen. Gorillas gelten als die größten lebenden Primaten.

Sie sind friedlich und für den Menschen nicht gefährlich, auch wenn sie früher als blutrünstige Monster eingestuft wurden. Erst die Amerikanerin Diane Fossey konnte durch ihre Freilandstudien über die wirklichen Charaktereigenschaften der Gorillas aufklären. Wie wir Menschen kommunizieren Gorillas ausgesprochen intensiv miteinander. Da ihnen allerdings die anatomischen Vorraussetzung für eine Sprachentwicklung fehlen, kommunizieren sie über Mimik und Gestik.

Gorillas im Nebel menschlicher VerwandtschaftEs lassen sich drei Gorilla-Arten unterscheiden: die westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla), die östlichen Grauergorillas (Gorilla gorilla graueri) und die Berggorillas (Gorilla gorilla beringei). Alle Arten leben in Afrika und sind heute vom Aussterben bedroht. Berggorillas findet man ausschließlich in den Virunga-Bergen und im Bwindi-Wald in Zentralafrika. In unseren zoologischen Gärten werden fast ausschließlich Flachlandgorillas gehalten. Diese Gorilla-Art ist in der Natur zwar noch zahlreich vertreten, aber ihr Bestand geht stetig zurück, nicht zuletzt, weil ihr Lebensraum durch den Menschen immer mehr eingeschränkt wird. In wissenschaftlich geführten Zoos wird versucht, die Population der Gorillas durch gezielte Zuchtprogramme zu erhalten. Problematisch erweist sich dabei allerdings die Tatsache, dass Gorillas ihren männlichen Nachwuchs aus der Familiengemeinschaft verstoßen. In freier Natur schließen sich die verstoßenen Männchen zu so genannten Junggesellengruppen zusammen, bis sie jeweils selbst wieder einen Famlienverband gründen. Zoos stellt das vor ein massives Platzproblem, sodass Zuchtprogramme oftmals nur schwer zu realisieren sind.

Wie wir Menschen bringen Gorillas in der Regel nur ein Junges zur Welt. Zwillingsgeburten sind möglich, aber selten. Die Schwangerschaft des Menschen beträgt im Durchschnitt 266 Tage, die Tragezeit beim Gorilla zwischen 234 und 289 Tagen. Ein Berggorillajunges in freier Natur verbringt seine ersten Lebensmonate in ständigem Kontakt zu seiner Mutter. Obwohl Berggorillas die größten Primaten sind, wiegen neugeborene Berggorillas nur etwa 1,8 Kilogramm und sind anfangs ebenso hilflos wie Menschenbabys. Ihre Entwicklung schreitet jedoch im Vergleich zum Menschen rasant voran. Gorillas entwickeln sich etwa doppelt so schnell als Menschen. Bereits im Alter von acht Wochen fangen sie an zu krabbeln und stehen mit etwa 20 Wochen auf ihren eigenen Beinen und beginnen zu laufen.

Wie ein aufgeschlagenes Buch liegt das vollständige Erbgut des Menschen heute vor uns. Um aber einen direkten Vergleich der genetischen Abstammung zwischen Mensch und Gorilla vornehmen zu können, muss das menschliche Genom mit dem der Gorillas verglichen werden. Die Entschlüsselung der Erbgutes der Gorillas ist britischen Wissenschaftlern letztes Jahr gelungen. Seither steht fest, dass uns Gorillas genetisch näher stehen als bislang angenommen. In einigen Bereichen sind sie uns sogar ähnlicher als unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen. Das menschliche Erbgut unterscheidet sich von dem eines Schimpansen um 1,37 Prozent, von dem eines Gorillas um 1,75 Prozent und von dem eines Orang-Utans um 3,4 Prozent. Aber 15 Prozent des menschlichen Genoms sind dem des Gorillas ähnlicher als dem des Schimpansen. Das belegen auch Fossilienfunde, die wissenschaftlich auf ihr Alter hin ausgewertet werden konnten. Damit sind Gorillas also nach den Schimpansen unsere nächsten Verwandten. Durch die Entschlüsselung des genetischen Materials konnte auch nachgewiesen werden, dass die Entwicklung des menschlichen Gehörs, nicht wie bisher angenommen, direkt mit der Entwicklung der Sprache gekoppelt ist, da sich das Gehör der Gorillas ähnlich schnell entwickelt, ohne dass Gorillas über Sprachanlagen verfügen.

Insgesamt betrachtet verbindet uns die Erforschung der Menschenaffen und insbesondere auch der Gorillas mit einer Zeit, in der entwicklungsgeschichtlich auch unsere Existenz bzw. Weiterentwicklung bedroht war, und unterstreicht damit, wie wichtig es ist, die letzten Vertreter dieser bemerkenswerten Arten zu schützen und zu bewahren.

Gorillas im Nebel menschlicher Verwandtschaft

Dr. Isa FoltinDr. Isa Foltin
Tierärztin, Radiologin, Diplom-Journalistin
Tätigkeitsschwerpunkte: Medizinjournalismus für Pharmafirmen, Wissenschafts- und Publikumsmedien, vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier, Spezialgebiet Kernspintomographie (MRT), Fachkunde in Nuklearmedizin
Sonstiges: Dozentin an den Paracelsus Schulen, Redakteurin bei der Mittelbayerischen Zeitung, Chefredakteurin des Magazins „tiere life“, Redakteurin des VDT-Magazins „Mein Tierheilpraktiker“
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Fotos: ©erwinf - Fotolia, Shutterstock

 

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