Headshaking: Unheilbares Syndrom?

Head ShakingMit der Sonne kommt das Headshaking-Syndrom – Prognose unheilbar?

Die Bewegungen sind vergleichend mit denen, die zur Insektenabwehr eingesetzt werden, jedoch fehlt die offensichtliche äußere Stimulanz. Die Pferde schütteln unkontrolliert horizontal, vertikal oder rotierend den Kopf und schnauben, um sich die Nase oder die Augen zu reiben. Das kann dazu führen, dass sich das Pferd nicht mehr reiten lässt. Auch erfahrenen Reitern sind dabei die Zügel schon abhanden gekommen. Die Problematik ist für Pferd und Reiter schwierig und kann einen Pferdebesitzer zur Verzweiflung bringen, insbesondere wenn die Ursache des Headshakings unklar ist.
Verhaltensweisen wie das Weben und Koppen sind psychsomatischer Ursache. Das Headshaking kann sich dabei zur Manie (Verhaltenstörung) entwickeln, vor allem wenn das Pferd gelernt hat, dass es so den Reiter schnell wieder los wird. Headshaker haben allerdings meist andere Ansatzpunkte in der Ursache.

SONNENSTRAHLEN ALS AUSLÖSER

Head ShakingViele Headshaking Pferde beginnen im Frühjahr oder im Frühsommer mit dem Schütteln des Kopfes, was in der Regel mit der zunehmenden Sonnenstrahlung zusammen hängt und „photic Headshaking“ genannt wird. Das helle Sonnenlicht übt einen Reiz auf den großen Gesichtsnerv (Trigeminusnerv) des Pferdes aus und führt so zu Juckreiz. Diesen Juckreiz versuchen Pferde durch Kopfschlagen zu kompensieren. Sie suchen zudem vermehrt Schatten auf und meiden helles Sonnenlicht. Oft liegt parallel ein Gesichtsschmerz vor, ähnlich der Trigeminusneuralgie des Menschen, wobei es sich um einen starken schmerzhaften Reizzustand des 5. Hirnnerven handelt, der die Empfindungen ins Gesicht weiterleitet. In dem Fall schießen die Schmerzattacken blitzartig ein. Beim Menschen können Geräusche, Kauen, Sprechen, Schlucken, Berührungen im Gesicht, kalte Luft, Eis und Mimik der Gesichtsmuskulatur Auslöser sein. Inwieweit es sich beim Pferd um ähnliche Auslöser handelt, bleibt noch zu beobachten. Schmerzen, die durch eine Trigeminusneuralgie hervorgerufen werden, erreichen auf einer Skala von 1-10 fast immer Grad 10.

ALLERGIEN UND ANDERE AUSLÖSER

Juckreiz, z. B. als Folge einer Pollenallergie oder als allergische Reaktion auf andere Stoffe und Umwelteinflüsse, ruft ebenfalls eine Gegenreaktion hervor. Das Pferd beginnt mit dem Kopf zu schlagen. Erkrankungen, wie eine entzündete Zahnwurzel, Mittelohrentzündung, vereiterte Nebenhöhlen oder Wirbelsäulenproblematiken gehören zu einer langen Liste von möglichen Auslösern des Headshaking Syndroms, ebenso wie die Verwendung unpassender Sättel und Gebisse oder eine unsensible Reitweise. Neben Viren, wie das Herpes Virus, das sich, ähnlich der Gürtelrose beim Menschen, auf verschiedenen Nervenbahen festsetzen kann und mit Kribbeln und Jucken einhergeht, wird beim Pferd auch die Borreliose als Ursache des Headshakings diskutiert. Borrelien könnten Nerven speziell im Auge angreifen und entsprechende Schäden verursachen. Als führendes Symptom tritt eine Glaskörpertrübung auf, die dazu führt, dass die Pferde bei heller Wetterlage das Gefühl haben, als würden sich Fliegen in ihrem Auge befinden, was dann wieder zu enormem Kopfschütteln führt.

DIAGNOSE

Head ShakingNach dem Ausschlussprinzip grenzen Pferdehalter sowie der konsultierte Tierarzt oder Tierheilpraktiker die Ursachen des Phänomens Headshaking ein und identifizieren den Auslöser. Tierärzte können mittels Röntgen oder CT schmerzhafte orthopädische Ursachen wie z. B. eine OCD (Osteochondrosis dissecans) oder Probleme an der HWS oder LWS abklären. Auch Blutanalysen und Allergietest sind möglich, meist jedoch mühsam. Vorteilhaft kann das Führen eines Shaking Tagebuches im Hinblick auf Wetterlage und Umgebung sein.
Inwieweit sensible Pferde auf eine straffe Reiterhand oder ein unpassendes Gebiss mit Headshaking reagieren, lässt sich mit einer gebisslosen Zäumung gut austesten.

THERAPIE

Tierärzte behandeln Headshaking Pferde oft zunächst mit einem Schmerzmittel. Unterlässt das Pferd daraufhin das Schlagen mit dem Kopf, so ist dies auf die Eliminierung des Schmerzes zurückzuführen, dessen Ursache es nun zu lokalisieren gilt. Ähnlich gestaltet sich die Sachlage bei Verdacht auf eine allergische Reaktion. Verschwindet das Headshaking nach tierärztlicher Behandlung mit einem Antiallergikum, so ist eine Allergie als Ursache für das Kopfschlagen sehr wahrscheinlich. Eingrenzung, Bestimmung und Hypersensibilisierung wären die nächsten Schritte.
Pferde, deren Kopfschlagen eindeutig dem „photic Headshaking“ zuzuordnen ist, verbunden mit hochgradigen, blitzartigen Trigeminusschmerzen, lassen sich nachhaltig nur mit entsprechenden Medikamenten erfolgreich behandeln. Serotoninhemmer setzen beispielsweise die Empfindlichkeit des Trigeminusnervs herab. Die Entscheidung, welches Arzneimittel wie und wann zu verabreichen ist, sollte aber immer der Tierarzt treffen. Allerdings ist in diesem Fall die Prognose ungünstig.
Bei infektionsbedingtem und allergischem Headshaking, das doch relativ häufig vorkommt, könnte eine dauerhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes durch eine Behandlung des Immunsystems und spezielle regulierende Maßnahmen erreicht werden. Dafür finden wir in der Naturheilkunde die passenden Ansätze.
Insgesamt richtet sich die Therapie des Headshaking-Syndroms nach der Grunderkrankung des Pferdes. Die Prognosen sind also vorsichtig zu sehen. Störungen im Bewegungsaparat sollten tierärztlich abgeklärt und ggf. physiotherapeutisch eingestellt werden. Beim Chip in der HWS ist eine Behandlung äußerst fraglich und je nach Lage zu bestimmen.
Die Trigeminusneuralgie, verbunden mit blitzartigen hochgradigen Schmerzattacken, schafftmit der medikamentösen Behandlung einige Probleme. Es gibt keine speziellen Präparate für Pferde. Medikamente aus der Humanmedizin sind für Pferde nicht zugelassen. Pferde, die nicht als Schlachpferde eingtragen sind, können ggf. aufgrund eines Therapienotstandes vom Tierarzt mit umgewidmeten Humanmedikamenten behandelt werden. Es fehlen jedoch Erfahrungen und Langzeitstudien, sodass mit unbekannten Nebenwirkungen gerechnet werden muss, worunter das Pferd unnötig mehr leiden könnte.
In jedem Fall ist das Pferd ganzheitlich zu betrachten und immer kritisch zu hinterfragen, wie hochgradig die Schmerzen sind und ob es noch tierschutzgrecht ist, das Tier den Behandlungen zu unterziehen. Bitte achten Sie stets auf das Wohl des Pferdes und auf die Sicherheit des Reiters.
Head ShakingAls Alternative können bei sensiblen Pferden Masken und Nüsternschützer eingesetzt werden, wie z. B. die „innoHorse Lichtschutzmaske“ oder „Nose Shade“ für Weide und Paddock. Diese Maßnahmen können zur sofortigen Linderung beim „Fliegensehen“ oder bei allergischen Reaktionen führen. Auch könnte man das Pferd nur in der Halle reiten oder auf der Weide vollständig verhüllen, allerdings ist auch dann zu diskutieren, ob das noch pferdegerecht ist.
Homöopathische Ansätze finden sich in der Sensibilisierung mittels Komplexpräparaten mit den Wirkstoffen Apis mellifica, Arsenum jodatum und Urtica urens bei allergieschen Reaktionen in Verbindung mit der Stärkung des Immunsystems mittels Ginseng und Propolis und diversen Kräutern wie Mariendistel und Kieselsäure. Auch ein Einsatz von Nosoden kann in Betracht gezogen werden, wenn das Allergen bekannt ist.
Mittlerweile gibt es Tierärzte und Tierkliniken, die sich intensiv mit dem Headshaking beschäftigen. Tierheilpraktiker, die naturheilkundlich beraten, finden Sie unter www.theralupa.de.

Quelle: GladiatorPLUS, Fir. Biokanol Pharma, innoHores


Monika Heike SchmalstiegMonika Heike Schmalstieg
Praktizierende Tierheilpraktikerin, Leiterin der Paracelsus Schule Hannover und Präsidiumsmitglied des VDT

Tätigkeitsschwerpunkte: Psychologisches Managementtraining, Pferdetraining, Pferdepflege und Erkrankungen beim Pferd
Aktiv im Arbeitskreis „Homöopathie Schwein“ in der Landwirtschaftskammer, Freie Dozentin für den Bereich Tiergesundheit
und ganzheitliche Pferde- und Reiterbetreuung, Dozentin an den Paracelsus Schulen
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Fotos: ©innoHorse GmbH, Shutterstock

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