Unsauberkeit der Katze: Verhaltensstörung oder Erkrankung?

Unsauberkeit der KatzeNicht immer eine schwer zu therapierende Verhaltensstörung

Katzen, insbesondere Wohnungskatzen, reagieren oft sehr sensibel auf Veränderungen oder Artgenossen. Ihren Unmut äußern sie durch Unsauberkeit. Sie urinieren in Ecken, gegen Wände und Türen oder in die frische Wäsche. Therapieansätze gibt es viele, aber nicht immer ist eine Verhaltensstörung der Grund für das Malheur. Oft zeigen Katzen dieses unerwünschte Verhalten auch in Folge einer Blasenentzündung.

Unsauberkeit bei Katzen ist sowohl für den Katzenbesitzer als auch für den Tierarzt oder Tierheilpraktiker ein sehr schwieriges Problem. Katzen sind von Natur aus extrem saubere Tiere. Sie putzen sich mehrfach täglich und sind im Welpenalter wesentlich eher stubenrein als Hunde. Verliert eine Katze ihre natürliche Sauberkeit, so kann das mannigfaltige Gründe haben.

Unsauberkeit der KatzeMarkieren oder Unsauberkeit?

Zunächst einmal ist zu klären, ob es sich tatsächlich um „Unsauberkeit“ oder um „Markieren“ handelt. Das Markieren ist ein arttypisches Verhalten, bei dem Katzen Informationen durch das Setzen von Duftnoten an ihre Artgenossen weitergeben. Die Katzen beschnuppern dabei zunächst die auserwählte Fläche, drehen sich dann um und bespritzen diese mit senkrecht nach oben gestelltem Schwanz mit kleinen Urinmengen. Typisch dabei ist ein starkes Zittern der Schwanzspitze. Dieses Verhalten ist bei Katern häufiger zu beobachten als bei weiblichen Katzen und verliert sich normalerweise nach der Kastration. Für Katzen hat das Markieren einen territorialen, aber auch einen beruhigenden Effekt. Einerseits kennzeichnen sie damit ihr Revier, weshalb sie sich als Markierungsorte meist Türen oder Durchgänge aussuchen, andererseits übt der eigene Geruch eine enorme Beruhigung auf die Katze aus, sodass auch gerne neue Möbel oder frisch gewaschene Kleidungsstücke dem Markierverhalten zum Opfer fallen. Ein Racheakt, wie vielfach von Katzenbesitzern vermutet wird, verbirgt sich dahinter generell nicht. Um dem Markieren entgegenzuwirken, halten Tierärzte und Tierheilpraktiker z. B. Pheromonpräparate bereit. Pheromone sind körpereigene Boten- und Lockstoffe, die von der Katze über Kopfdrüsen beim Reiben des Kopfes an Gegenständen abgesondert werden. Sie wirken sich beruhigend auf die Katze selbst, aber auch auf Artgenossen aus.

Verhaltensstörung oder Krankheit?

Im Gegensatz zum Markieren ist die Unsauberkeit kein arttypisches Verhalten. Ursache ist in der Regel eine Verhaltensstörung oder eine Krankheit. Die dabei außerhalb der Katzentoilette abgesetzten Urinmengen sind wesentlich größer als die Mengen beim Markieren. Oftmals urinieren Katzen gegen Wände oder auf Böden, wenn sie an einer Blasenentzündung leiden. Daher sollte die Katze zunächst auf diese Problematik hin untersucht werden. Ist ein Krankheitsgeschehen ausgeschlossen worden, ist von einer Verhaltensstörung auszugehen, für die es verschiedene Ursachen geben kann. Ändern lässt sich das Verhalten der Katze nur durch die Beseitigung der Ursache, sodass es einer genauen Beobachtung der Katze beim Gang zur Toilette bedarf. Oft steht die Toilette an einem Ort, an dem die Katze keine Ruhe findet. Einige Katzen haben ganz spezielle Vorlieben für bestimmte Materialien und Einstreu. Bei Mehrkatzenhaushalten sind es meist zu wenige Toiletten für zu viele Katzen.

Unsauberkeit der KatzeAuf das Örtchen kommt es an!

Das A und O der Therapie ist es also, der Katze den Toilettengang so angenehm wie möglich zu gestalten. Hierzu können mehrere Katzentoiletten mit und ohne Deckel, aus verschiedenen Materialien und mit verschiedener Einstreu aufgestellt werden, um das bevorzugte „Örtchen“ ausfindig zu machen. Manche Katzen mögen gar keine Einstreu, auch das sollte bedacht werden. Bewährt hat sich auch das Aufstellen von Katzentoiletten an den Orten, an denen die Katze ihr „außerörtliches“ Geschäft bevorzugt verrichtet. Wichtig ist aber vor allem das regelmäßige Saubermachen der Katzentoilette, wobei darauf zu achten ist, dass die verwendeten Reinigungsmittel möglichst geruchsarm und nicht ammoniakhaltig sind. Katzen meiden scharfe Gerüche! Auch das Versperren des Zuganges zu bevorzugten Urinierstellen kann eine gute Maßnahme sein. Ebenso vorteilhaft kann es sich auswirken, den Futternapf auf die bevorzugte Urinierstelle zu stellen, denn in ihren Napf wird die Katze niemals urinieren. Bestrafungen jeglicher Art sollten vermieden werden. Sie bringen keinen Erfolg!

Dr. Isa FoltinDr. Isa Foltin
Tierärztin, Radiologin, Diplom-Journalistin
Tätigkeitsschwerpunkte: Medizinjournalismus für Pharmafirmen, Wissenschafts- und Publikumsmedien, vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier, Spezialgebiet Kernspintomographie (MRT), Fachkunde in Nuklearmedizin
Sonstiges: Dozentin an den Paracelsus Schulen, Redakteurin bei der Mittelbayerischen Zeitung, Chefredakteurin des Magazins „tiere life“, Redakteurin des VDT-Magazins „Mein Tierheilpraktiker“
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