Tierwissen für Kids: Der Regenwurm

„ICH GLAUBE, ICH WERDE ZUR SALZSTANGE“

THP 1 20 final Page62 Image1Hallo, ich heiße Ringel. Seit ein paar Tagen friere ich so sehr, dass ich mich gar nicht mehr rühren kann! Aber erst einmal möchte ich mich vorstellen, damit Ihr wisst, wer hier mit Euch redet: Ich bin ein Regenwurm und gehöre, im Verhältnis zu meiner Körpergröße, zu den stärksten Tieren der Erde! Wenn Ihr meinen Namen hört, denkt Ihr sicher, dass ich Regen liebe. Dabei kommt mein Name daher, dass ich mich viel bewege, also ein „reger Wurm“ bin. So nannten mich auch die Menschen im Mittelalter. Wenn es regnet, kann mir zwar das Wasser nichts anhaben, aber das Klopfen der Tropfen lockt mich aus der Erde, denn ich möchte ja wissen, was da oben gerade los ist. Und wenn ich dann nicht aufpasse, erwischt mich entweder eine Amsel, oder aber ich schaffe es nicht mehr rechtzeitig in den Boden zurück und die Sonne trocknet mich aus. Beides ist nicht schön!
Übrigens gibt es nicht nur einen speziellen Regenwurm. Allein in Deutschland kannst Du 46 verschiedene Arten finden, über die Welt verteilt sogar ca. 3.000! In der Regel werden wir 4 bis 30 cm lang, haben ein rötlich gefärbtes Vorderteil und ein blasses Hinterteil. Meistens entdeckst Du draußen den Kompost- oder Mistwurm (Experten nennen mich dann Eisenia foetida) oder den Tauwurm (Lumbricus terrestris), der etwas länger ist.

Was ich alles kann

THP 1 20 final Page62 Image2Als Kompostwurm sorge ich dafür, dass aus den Küchenabfällen in Eurem Garten fruchtbare Erde wird, denn hier finde ich, mehr als im Schlaraffenland, jede Menge organisches Material, von dem ich mich ernähre.
Überhaupt entdeckt Ihr nirgendwo im Garten einen besseren Mitbewohner als mich! Freiwillig grabe ich Euch den Boden um, kompostiere altes Laub und dünge mit meinem sehr nährstoffreichen Kot die Erde. Ohne mich würde vieles, was Ihr anpflanzt, z. B. der Salat, deutlich schlechter wachsen. Und sicher könnt Ihr Euch vorstellen, wie der Boden aussieht, wo ich grabe: Überall sind Kanäle, und ich schichte, während ich mich vorwärts wühle, alles um. Die Nährstoffe gelangen durch meine Arbeit von oben nach unten, von innen nach außen und umgekehrt. So kommt ausreichend Luft in die Erde, und wenn es regnet, kann sich die Nässe nicht stauen, sondern das Wasser wird vom Boden aufgesaugt wie von einem Schwamm.
Da ich mein Leben vor allem mit Fressen verbringe, schaffe ich es jeden Tag, die Hälfte von dem zu futtern, was ich wiege. Stelle Dir einmal vor, Du müsstest jeden Tag so viel essen … dann wären das, wenn Du 30 kg wiegst, täglich 15 kg Spaghetti! Ich glaube, da würde Dir ganz schön schlecht werden, oder? Was ich fresse, ist sehr groß, z. B. die Blätter, die von Bäumen fallen. Deswegen ziehe ich jeden Tag bis zu 20 Blätter in meine Wohnröhre, klebe sie mit meinem Schleim fest und lasse Bakterien und Pilze, die im Boden leben, die Pflanzenteile so zerkleinern, dass ich sie dann auch essen kann. Ganz schön praktisch, wenn man jemanden hat, der einem beim Kochen hilft!

THP 1 20 final Page63 Image1Wohin ziehe ich mich zurück?

Um gut leben zu können, grabe ich mir eine schöne Wohnröhre. Diese reicht bis zu 2 Meter in die Tiefe. Hier verbringe ich meine Ruhezeiten im Sommer und im Winter, wenn es mir zu warm oder zu kalt wird und der Boden zu trocken ist. Im Winter fühle ich mich schon mal wie eine gefrorene Salzstange. Deswegen bin ich glücklich, wenn es wieder Frühling oder Herbst wird, denn in diesen Jahreszeiten geht es mir am allerbesten!

So entstehen meine Kinder

THP 1 20 final Page63 Image3In diesen Zeiten sorge ich auch für Nachwuchs, sobald ich 1 ½ bis 2 Jahre alt bin. Dass ich geschlechtsreif bin, erkennt man am sog. Gürtel, einer Hautverdickung im vorderen Drittel des Körpers. Das Ende, das näher an diesem Gürtel liegt, ist mein Kopf. Als Zwitter habe ich sowohl Hoden als auch Eierstöcke. Ich paare mich dann mit einem anderen Regenwurm. Dabei wird mein Samen in die Samentasche des anderen Wurms gedrückt und umgekehrt. Am Gürtel bildet sich danach ein Schleimring (Schleimkokon genannt), aus dem ich mich langsam herausziehe. Wenn dieser Ring mein weibliches Geschlechtsorgan passiert, werden die Eier in diesem Kokon befruchtet. Dieser Kokon wird schnell hart, ist blassgelb, zitronenförmig und hat die Größe eines Weizenkorns. Wenn Du also bei der Gartenarbeit etwas findest, das so aussieht, lasse es bitte in der Erde, es könnten meine Kinder sein! Um sie zu schützen, umgebe ich den Kokon mit einer dicken Schicht Wurmkot, der meinen frisch geschlüpften Würmchen gleich die erste Nahrung bietet. Je nach Art des Regenwurms dauert es etwa 16 Tage beim Kompostwurm, beim Tauwurm mehr als 4 Monate, bis die Kleinen schlüpfen.
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass in einem 1 x 1 Meter großen Stück Erde, das 30 cm in die Tiefe geht, bis zu 400 von uns Regenwürmern leben? Jetzt verstehst Du sicher, warum die Erde so locker ist, wo wir gemeinsam graben.

THP 1 20 final Page63 Image4Welche Märchen über mich erzählt werden

Glaube bloß nicht an das Märchen, dass Du 2 Regenwürmer erhältst, wenn Du mich zerteilst! Je nachdem, wo mir der Schwanz abgeschnitten wird, stirbt entweder nur das Schwanzende und am Kopfende wächst langsam ein neuer Schwanz nach, oder aber ich sterbe komplett. Erzähl das ruhig auch Deinen Freundinnen und Freunden, damit keiner auf die dumme Idee kommt, mir so etwas Gemeines anzutun!

Ich hoffe, Du bist jetzt schon gespannt, mich im Frühjahr im Garten oder im Park persönlich kennenzulernen. Ich jedenfalls freue mich, wenn wir uns begegnen. Bis dahin schlafe ich jetzt noch ein bisschen!
Alles Liebe, Euer Ringel

Fotos: © photographyfirm – Adobe, sunday pictures – Adobe, 165250861 – Adobe, 302009214 – Adobe, studybos – Adobe, Fotos: © Sergio Martínez – Adobe, gebut – Adobe, honeyflavour – Adobe

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