Ziegenrennen in Trinidad und Tobago: Gedanken vom tier-menschlichen Diwan

201701 Diwan1Völlig entspannt lag ich am 5. Januar abends auf dem Divan, sah mir auf NDR die Sendung „Mare TV“  an und traute meinen Augen nicht: Ziegen auf der Rennbahn?

Tatsächlich! Die Strecke sieht aus wie eine Pferderennbahn  mit  Startkästen,  allerdings  in  einer  Miniausführung, und die vermeintlichen Jockeys,  die Ziegenhalter, reiten nicht, sondern treiben ihre  Ziegen an, indem sie neben ihnen herrennen. 

201701 Diwan2Dieses Szenario spielt sich in Tobago ab, einer karibischen Insel vor der Nordküste Venezuelas.
Jedes Jahr findet dort am Dienstag nach Ostern ein  traditionelles Ziegenfest statt. Im kleinen Dorf Buccoo wird dann das Ziegenrennen ausgetragen, ein  Riesenspektakel mit einer knallig bunten Kostümparade vorneweg. Zuschauer aus aller Welt kommen zusammen, um die 300 Meter lange Ziegenrennbahn und das Rennen zu bestaunen. 

201701 Diwan3Ins  Leben  gerufen  wurde  dieses  Ziegenrennen im Jahr 1925 durch den aus Barbados stammenden  Samuel  Callender  als  Reaktion  auf  die  Vollblut-Pferderennen  in  anderen  Ländern,  die  der  Oberschicht  als  Zeitvertreib  dienten.  Heute  steht die Veranstaltung in Pomp und Prunk einem  Renntag in Ascot in keinster Weise nach – es gibt  Ställe, Trainer, Jockeys und natürlich Ziegen. 

Hat  das  Rennen  begonnen,  müssen  sich  die Jockeys  mächtig  bemühen, um die eigensinnigen Ziegen im  Zaum zu halten. Die speziell für dieses  Rennen  gezüchteten  Ziegen  müssen  die  Rennstrecke  zusammen  mit  ihren Jockeys, die barfuß hinter den Tieren  herlaufen,  möglichst  schnell  hinter sich bringen. Dabei hat der Jockey  seine Ziege an einer langen Leine und  muss gemeinsam mit ihr das Rennen  bestreiten. Am Ende erhält der Gewinner einen Geldpreis, eine Flasche Rum  und eine Trophäe. 

201701 Diwan4Akheem  Holder  ist  mit  seinen  Ziegen  der  Favorit  im  Wettbewerb.  Er  schickt  seine  Tiere  sogar  zum  Gegenstrom-Training ins Meer. Aquatraining zum Muskelaufbau. Und das jeden Tag!
Es ist erstaunlich, wie intensiv sich die  Männer ihren Ziegen widmen. Sie geben  ihnen  Namen  wie  Obama  oder  Skorpion, hegen und pflegen sie.
In Europa ist der Stellenwert der Ziege  eher  niedrig,  sowohl  im  Bereich  der  Nahrungsmittelindustrie  als  auch  als Haustier. Einzelne Ziegenbestände  finden sich bei uns in Streichelzoos für  Kinder oder zur Landschaftschutzpflege an Deichen.
Ich  mache  mich  auf  den Weg  zu  einem Frischmarkt und frage nach Ziegenfleisch. Entsetzt hallt mir zunächst  ein „Iiihhh!“ entgegen, danach wird mir  Ziegenkäse  angeboten.  Ich  habe  ihn  probiert und finde ihn lecker. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Tierheilpraktikerin hatte ich Ziegen aus Hobbyhaltungen schon oft als Patienten. Meist  wiesen  sie  Euterentzündungen  auf,  weil  sie  nicht  gemolken  wurden,  obwohl man aus Ziegenmilch guten Käse  und  auch  Seife  herstellen  kann. 

201701 Diwan5Da wurde schon früh meine Liebe zu  Ziegen  geweckt.  Betrachtet  man  das  Spektakel auf Tobago, so könnten sich  Menschen, die sich keinen Hund halten  möchten,  durchaus  Ziegen  zur  sportlichen  Aktivität  an  der  frischen  Luft halten.

Bis zu den nächsten Diwan-Gedanken  wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit!

Ihre Monika Heike Schmalstieg

Online anzuschauen gibt´s das Ziegen-Spektakel von Tobago auf www.ndr.de/fernsehen/sendungen/mare_tv/Trinidad-und-Tobago-Die-schoenen-Schwestern-der-Karibik,sendung464094.html

Fotos: © Bilder (2)  aus „mare TV: Trinidad und Tobago – Die schönen Schwestern der Karibik“, Argus – Fotolia

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