Bewegungsapparat des Hundes: Wie kann man Erkrankungen vorbeugen?

201501 Bewegung1Falsche Annahme

Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Mensch, Hunde als Haustiere zu halten. Inzwischen gibt es weltweit mehr als 1.000 verschiedene Hunderassen. Doch leider bedingte die Rassenvielfalt vielfach auch Krankheiten am Bewegungsapparat der Tiere. So sind z. B. Dackel und Bassets durch ihren langen Rücken für Diskopathien (Bandscheibenvorfälle) prädisponiert, schnellwüchsige, große Rassen, wie z. B. Schäferhund und Rottweiler, neigen zur Hüftgelenksdysplasie (HD). Die Bindegewebsschwäche einiger Rassen (z. B. Golden Retriever und Labrador Retriever) begünstigt Erkrankungen des Bandapparates. Bewegungsmangel, Übergewicht und falsches Futter, v. a. während des Wachstums (Calciumüberschuss), tragen ebenso zu vielen Erkrankungen des Bewegungsapparates bei. Vor allem an Gelenken und Bändern kommt es zu Funktionsstörungen, die oft mit Schmerzen verbunden sind. Hunde haben eine höhere Schmerztoleranz als Menschen. Deshalb ist es wichtig, seinen Hund gut zu beobachten, um Schmerz- oder Lahmheitssymptome früh genug zu erkennen.

201501 Bewegung2Mit einer gezielten Phytotherapie kann man Erkrankungen des Bewegungsapparates gut behandeln und v. a. auch vorbeugen. Ich verwende in meiner Praxis eine Mischung aus vier bewährten Bestandteilen als Pulverextrakt:

HAGEBUTTE 20 g
BRENNNESSEL 20 g
TEUFELSKRALLE 10 g
GRÜNLIPPMUSCHEL 30 g

GROSSE UND MITTELGROSSE HUNDE
2–3 TL PRO TAG INS FUTTER

KLEINE HUNDE
1–2 TL PRO TAG INS FUTTER

201501 Bewegung3Hagebutte (Rosa canina)

Die wirksamen Inhaltsstoffe der Hagebutte sind die Galaktolipide. Sie gehören zu den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Galaktolipide sind fettlöslich und thermolabil. Aus diesem Grund werden die Wirkstoffe sehr gut in fetthaltigem Futter resorbiert. Beim Übergießen mit heißem Wasser würden die wirksamen Bestandteile allerdings denaturieren. Ein Teeaufguss ist deshalb nicht zu empfehlen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass das standardisierte Pulver aus Samen und Schale der Hagebuttenfrüchte bestimmte Funktionen der Leukozyten, die bei Arthrose zu Entzündungen und Gewebeschädigungen führen können, normalisieren können. Das Pulver wirkt membranstabilisierend und kann dadurch den Zerfall des Knorpelgewebes beeinflussen. Außerdem wird der Substanz ein antioxidativer Effekt zugeschrieben. Ergänzt werden die Galaktolipide durch den sehr hohen Vitamin C-Gehalt (ca. 500 mg/100 g) der Hagebutte.

201501 Bewegung4Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel hat sehr viele verschiedene Wirkstoffe. Für Gelenke und Knorpel ist die Kieselsäure der wichtigste. Sie liefert den Baustein Silizium. Bei ausreichender Versorgung mit Silizium produziert der Körper einerseits mehr kollagene Fasern, andererseits mehr Knorpelgrundsubstanz.
Wirksame Inhaltsstoffe von Brennnessel sind neben dem hohen Gehalt gut verwertbarer Kieselsäure auch Quercetin und Kämpferol. Diese sekundären Pflanzenstoffe haben nachweislich ein hohes Potenzial, Entzündungen abzubauen und die Knorpelregeneration zu verbessern.
Die Resorption von Silizium im Darm ist laut Studien bei natürlich vorkommender Kieselsäure wesentlich besser als bei synthetisch hergestellten Kieselsäurepräparaten.

201501 Bewegung5Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Der Hauptinhaltsstoff der Teufelskralle, Harpagosid, wirkt entzündungshemmend, abschwellend und schmerzstillend. Verwendet wird nur die Wurzel. Die oberirdischen Teile der Pflanze enthalten nur wenig Harpagosid. Zum Einsatz kommt die Teufelskrallenwurzel bei Arthrose, Rheuma und Rückenschmerzen. Zu beachten ist, dass eine Besserung der Beschwerden erst nach 3 – 4 Wochen regelmäßiger Anwendung eintritt. Verwendet wird meist ein Pulverextrakt, aber auch eine Teezubereitung ist möglich, allerdings ist der Geschmack sehr bitter und wird daher von Hunden schlecht angenommen.
Zu beachten ist, dass ein weiterer Inhaltsstoff der Wurzel, das Procumbid, leicht blutverdünnend wirkt. Vor Operationen oder Zahnbehandlungen sollte die Einnahme mindestens eine Woche vorher beendet werden.

201501 Bewegung6Grünlippmuschelextrakt (Perna canaliculus)

Die in Neuseeland heimische Grünlippmuschel enthält den wirksamen Bestandteil Glycosaminoglykan, bei dem es sich um eine Aminozuckerverbindung handelt. Dieser Bestandteil hilft hauptsächlich bei Gelenkserkrankungen, da durch ihn Knorpelbildung und Knorpelschmierung verbessert werden. Im Laufe des Lebens geht sowohl beim Mensch als auch beim Tier die Fähigkeit verloren, körpereigenes Glucosamin herzustellen. Die Gycosaminoglycane besitzen die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und dadurch einen natürlichen Gleitfilm im Gelenk herzustellen.
Für die positiven Auswirkungen auf die Gelenke werden auch die speziellen Omega-3-Fettsäuren verantwortlich gemacht. Omega-3-Fettsäuren gehören zu den essenziellen Fettsäuren und erfüllen im Körper viele Funktionen. Sie sind Antagonisten (Gegenspieler) der Omega-6-Fettsäuren. Im Falle von Entzündungsreaktionen fördern Omega- 6-Fettsäuren entzündliche Prozesse, während Omega-3-Fettsäuren diesen entgegenwirken.

201501 Bewegung7Es gibt im Handel verschiedene Fertigprodukte mit ähnlicher Zusammensetzung. Ich bevorzuge die Herstellung der Mischung als Individualrezeptur in der Apotheke. Die Ausgangssubstanzen sind dort nach europäischem Arzneibuch geprüft und auf Reinheit und v. a. Gehalt getestet. Somit kann man sicherstellen, dass man mit standardisierten Extrakten arbeitet. Außerdem kann man je nach Hund die Mischung individuell verändern und anpassen (z. B. bei Unverträglichkeit eines Inhaltsstoffes).

SILKE WEBER SILKE WEBER
TIERHEILPRAKTIKERIN FÜR KLEINTIERE UND REPTILIEN IN EIGENER PRAXIS IN MÜNCHEN
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