Globuli und das Internet: Verständnis(Probleme) beim Umgang von Laien mit Homöopathika

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Montagmorgen. Nach einem Wochenende findet man in der Apotheke seines Vertrauens viele leicht an Erkältungssymptomen leidende Leute. An diesem Montag stehe ich nun auch in der Schlange und warte auf meine Bedienung. Vor mir ist eine alte Frau und bekommt Medikamente ausgehändigt. Sie packt diese in eine Handtasche und fragt den Apotheker nach einem Mittel für ihre Katze Mikesch, die seit drei Tagen so etwas Komisches am Popo habe und sich etwa alle zwei Minuten kratzen würde – und dieses Kratzen würde die Ruhe und Zufriedenheit der Besitzerin bei ihrer Skatrunde durcheinander bringen. Der Apotheker erkundigt sich kurz nach dem Gewicht und dem Alter des Tieres und zwei Sekunden später steht das Mittel fest: Arsenicum D6. Eine junge Frau, die mit großen Ohren das Beratungsgespräch verfolgt hat, steuert noch hinzu: „Ja, das Mittel ist super, habe ich bei meinem Meerschweinchen auch genommen, nach drei Tagen war es wieder wie vorher.“

Die ältere Dame freut sich und fragt interessiert zurück, wer denn dieses Mittel empfohlen habe. Sie antwortet prompt: „Das habe ich aus dem Internet!“ Die alte Dame wundert sich, denn ihr ist bekannt, dass man im „Internetz“, so wie ihr Mann Horst es immer nennt, nun neben Schuhen auch noch Beratungen und Therapien für die Popos von Katze und Co. bekommt.

Wenn man sich mal als Therapeut auf den Weg ins Internet macht und in den Suchmaschinen „Katze Homöopathie und Jucken“ eingibt, wird man sich wundern, was alles vorgeschlagen wird: „Starker Juckreiz … Auslöser homöopathisch behandeln“… oder Foren über das Thema „Juckreiz, was hat damals geholfen?“ etc.

Geht man dann in eines dieser Foren und liest, was alles Schuld am Juckreiz von Mikesch, schaut man als Besitzer zum Tier hinunter und denkt sich: „Mist, Mikesch, Du hast noch zwei Tage zu leben!“ Es wird als erstes das Teufelswerk der Futtermittelindustrie an den Pranger gestellt, gleich gefolgt von der Schulmedizin und auf Platz drei rangiert das Habitat von Mikesch: Enge Wohnung, nicht artgerecht, wird dort beschrieben. Und auch unsere alte Dame findet sich dort wieder und fragt sich nun, was sie in den zwölf Jahren, in denen sie ihren Mikesch hat, nur alles falsch machte. Oh, mein Gott! Der Arme!

Ich bin nun seit 13 Jahren als Tierheilpraktiker tätig. Es kommt immer wieder vor, dass solche Fälle, wie sie hier beschrieben werden, in die Praxis kommen und nicht mehr weiterwissen. Das Tier sichtlich in schlechter Verfassung, aber schon homöopathisch behandelt. Bei Nachfrage, woher sie die Mittel haben, hört man dann immer Sachen wie: „Hat mir meine Freundin empfohlen“, „Stand im Internet“, „Habe ich nach der Knie-OP auch bekommen, und warum soll das Mittel dann nicht auch der Katze helfen?“

Man wird natürlich als Therapeut anfangen, eine homöopathische Repertorisitation durchzuführen und beginnt mit der Befragung des Besitzers. Nach ca. 1,5 Stunden fragt dieser schließlich, was denn nun so lange dauern würde und was da so schwierig sei. Man erklärt ihm dann den Weg der Arzneimittelfindung, woraufhin man vom Besitzer zu hören bekommt: „Das hat meine Freundin in zwei Minuten gefunden und die ist Krankenschwester und hat seit 20 Jahren selber Katzen.“

Keine Angst, Sie als gewissenhafter Therapeut machen es genau richtig. Das, was Hahnemann auch schon gemacht hat, die Arzneimittelfindung, ist doch das A und O der Homöopathie. Leider wird die Homöopathie immer mehr so dargestellt, dass sie ja keinen Schaden anrichten kann. Mit dem Satz „Kannste ja mal ausprobieren, kannste ja nix falsch machen“ wird man immer wieder konfrontiert. Sicherlich kann es sein, dass man wie einen Sechser im Lotto gerade mal das richtige Mittel erwischt hat und dem Tier geht es wieder super. Das ist aber kein Grund, das Mittel ohne Wissen an andere weiterzuempfehlen.

Dann gibt es da die Pferdehalter. Kommt man als Therapeut zu einem Tier, das seit ca. acht Wochen Probleme mit dem Verdauungsapparat hat, macht eine klinische Anamnese und befragt die Besitzer, was es an Medikamenten bekommt. Als Antwort hört man dann: „Ach, an Medikamenten gar nichts, nur Homöopathika!“ Aha, ok, denkt man sich. Bei Betrachtung des Sattelschrankes offenbart sich ein Lager von ca. 25 verschiedenen homöopathischen Mitteln, also fragt man nach, ob dieses alles für das eine Pferd sei, was bestätigt wird.
Man sagt dem Besitzer nun, dass es sich hierbei als Auslöser der Darmerkrankung um den Silageballen handelt, den das Pferd portionsweise zu fressen bekommt. Nach erstaunten Blicken sagt der nun sichtlich angefasste Besitzer: „Ja, wie? Das ist hier im Stall nun mal so! Was anderes wird nicht gefüttert und bis jetzt haben wir es ja auch mit der Homöopathie gut in den Griff bekommen und zwar mit genau den Mitteln, die auch der Deutsche Schäferhund Uwe bekommen hat, als er mal wieder im Stall etwas zuviel Pferdekot genascht hatte.“

Schaut man sich als Therapeut einmal um, wird man feststellen, dass alles mit Homöopathie behandelt werden soll, ohne irgendeine Anamnese durchzuführen. Leider verstehen viele Tierbesitzer den Begriff „Volksmedizin“ völlig falsch. Da wird bewusst in der durch Zigarettenrauch verqualmten Wohnung die Katze homöopathisch gegen Husten und Durchfall und der Hund, der jeden Tag seine Hundedecke gewaschen bekommt, gegen Juckreiz behandelt. Diese Beispiele könnte ich noch weiter ausführen, aber bitte weichen Sie als Therapeut nicht von Ihrer Line ab und lassen Sie sich von Internetforen nicht den Wind aus den Segeln nehmen.

Es ist leider in der Zeit des Internets so, dass hier erst einmal die preisgünstigere Variante gewählt wird. Dieses kann man im „Gesichtsbuch“ sehr gut einsehen. In derartigen Gruppen werden Therapieverfahren ausgetauscht wie bei einer Münztauschbörse. Wenn man die Personen gezielt anschreibt und nach ihrer Ausbildung fragt, kommt zu 95 % heraus, dass sie noch in Ausbildung sind, aber gute Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht haben. Oder sie antworten, dass sie das Tier nicht sehen müssen, weil sie fühlen, welches Mittel es braucht. Nun verlassen sich gutgläubige Tierbesitzer auf so etwas und besorgen sich das Mittel in der Apotheke. Und siehe da: Nichts, nichts, aber auch gar nichts passiert! Und wenn man dann eine homöopathische Therapie vorschlägt, bekommt man zu hören: „Ach, wissen Sie, ich halte da nichts davon. Ich habe es ausprobiert und es hat nichts gebracht.“

Homöopathie und andere Naturheilverfahren gehören nicht ins Internet, sondern in die Hände bewusster und gut ausgebildeter Therapeuten. Diese findet man im VDT (Verband Deutscher Tierheilpraktiker) und in der Therapeutenliste auf www.theralupa.de. Lassen Sie sich nicht entmutigen, es werden Ihnen in der Praxis solche Fälle, wie hier beschrieben, immer wieder begegnen. Machen Sie es richtig, nehmen Sie sich Zeit, denn oft ist Zuhören und Schauen der schnellste Weg zur richtigen Arzneimittelfindung.

DIRK RÖSE DIRK RÖSE
HEILPRAKTIKER UND TIERHEILPRAKTIKER IN LANGWEDEL
SELBSTSTÄNDIG IN EIGENER PRAXIS

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  • Laser- und Kryotherapie, Blutegel- sowie Elektrotherapie
  • Dozent bei internationalen Weiterbildungsveranstaltungen im Großtierbereich für Bewegungsanalytik und Chiropraktik, Dozent an den Paracelsus Schulen

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