Praxisführung: Eigenwerbung und Öffentlichkeitsarbeit

Foto: © ShutterstockDARF ICH FÜR MICH WERBEN? NEIN, ICH MUSS!

„50 Prozent der Werbung sind immer rausgeworfenes Geld. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“
(Henry Ford)

Dieses Zitat trifft umso mehr zu, da das Budget für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bei uns Tierheilpraktikern in der Regel nicht groß ist.

Völlig außer Frage ist daher: Die beste Werbung sind professionell, fürsorglich, vertrauenswürdig und erfolgreich behandelte Patienten, denn deren Besitzer erzählen es weiter!
Zufriedene Patientenbesitzer sind unsere wertvollsten Multiplikatoren, denn sie treffen – sei es im Stall oder beim „Gassi gehen“ – andere Tierbesitzer, die entweder auf der Suche sind nach naturheilkundlicher Betreuung oder sich ihr durch positive Berichte öffnen.

Trotzdem müssen wir uns – gerade bei der Neueröffnung einer Praxis – ausreichend Gedanken darüber machen, wie wir uns am besten präsentieren, damit Patientenbesitzer uns wahrnehmen und wissen, dass es uns gibt.

Wichtig ist es, sich vor Eröffnung einer Praxis ein paar grundlegende Fragen zu stellen, u. a.:

  • Behalte ich meinen bisherigen Job bei oder will ich mich 100%ig auf die Praxis konzentrieren?
  • Welche Dienstleistungen könnte ich neben der medizinischen Versorgung noch anbieten?
  • Wie sieht mein Umfeld aus? Gibt es eventuell in der Nachbargemeinde schon einen Kollegen/ eine Kollegin?
  • Wie kann ich mich mit meinem Leistungsangebot von Kollegen abgrenzen und etwas „Besonderes“ anbieten?

Je mehr Sie sich auf die ausschließliche Arbeit als Tierheilpraktiker fokussieren, desto mehr sollten Sie planen:

  • Welche Kosten fallen monatlich an?
  • Wie lange darf die Vorlaufzeit sein, bis die Praxis schwarze Zahlen schreiben muss?

Selbst wenn für die Eröffnung der Praxis kein Darlehen erforderlich ist, empfiehlt sich die Erstellung eines Businessplans (den die Bank ohnehin benötigt). Auch ein Termin beim Steuerberater ist zur Abklärung von Fragen wie Rechtsform der Praxis, steuerlicher Handhabung von z. B. Räumlichkeiten, Auto etc. oder Art der Buchführung sicherlich eine gute Investition.
Je besser Sie in den notwendigen technischen und bürokratischen Abläufen Ihrer Praxis vorbereitet sind, desto konzentrierter und unbelasteter können Sie sich auf den Kern Ihrer Arbeit konzentrieren: die naturheilkundliche Behandlung von Tieren.

Wenn alle diese Fragen geklärt sind, gerade, wenn Sie sich mit Kollegen/ Kolleginnen zusammen selbstständig machen wollen, kann das existenziell wichtig sein, dann werden Sie kreativ. Auch wenn Sie mit Werbung und Marketing nie zuvor zu tun hatten: Als Endverbraucher wissen Sie genau, worauf es ankommt! Sie müssen dieses Wissen nur reflektieren und für Ihre Zwecke anpassen.

Wenn Ihnen jemand einen sattblauen Kreis mit weißen Großbuchstaben darauf zeigt, was fällt Ihnen spontan ein? Nivea? Richtig!
Warum? Weil die Farbe Blau und der weiße Schriftzug – bis auf ein paar moderate Änderungen – seit vielen Jahren auf den ersten Blick diese Marke vertreten und von jedem wahrgenommen, abgespeichert und sofort erkannt werden. Man spricht hier vom Wiedererkennungswert eines Logos.

Nun haben wir aber kein Produkt, sondern eine Dienstleistung anzubieten. Umso mehr hilft es, wenn wir diesen Effekt der Wiedererkennung nutzen – und zwar ohne große Kosten!
Machen Sie sich doch einfach mal Gedanken um ein Logo für Ihre Praxis. Je einfacher, desto besser die Wiedererkennung und desto besser auf vielen Ebenen nutzbar. Lassen Sie sich ruhig inspirieren von Logos, die Sie sehen, aber „kupfern“ Sie nicht ab – gerade größere Firmen haben ihre Logos rechtlich schützen lassen und das Markenrecht in Deutschland ist engmaschig.
Wenn Sie eine ungefähre Idee haben, hören Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis um, sicher gibt es da jemanden mit Designambitionen und den notwendigen technischen Kenntnissen, um Ihre Idee umzusetzen. Das Ergebnis ist letztlich Geschmackssache – wichtig ist aber, dass Sie sich damit identifizieren können und das Logo prägnant und einfach ist. Grafiker sagen zu Recht: Ein gutes Logo sollte so einfach sein, dass man es mit einer Zehe in den Sand malen kann.
Sie wollen dafür kein Geld ausgeben? Das wollte ich auch nicht. Ich behandelte dafür die Hunde der Grafikerin, die mein Logo entwickelt hat, für einen abgesprochenen Zeitraum.

Foto: © Abele

Ist das Logo fertig und als druckbare Datei verfügbar, sind Ihrer Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt.

Ihr Logo kann zu sehen sein

  • auf Ihrem Praxisschild
  • als Print auf einem T-Shirt oder einer Fleecejacke, die Sie beim Arbeiten tragen
  • auf Ihrem Auto
  • auf Ihrer Visitenkarte und jeglichen Geschäftpapieren (Sie können sich z. B. mit einfachsten Mitteln einen Briefbogen selbst anlegen und bei Bedarf drucken, ohne dass es hausbacken aussieht)
  • auf weiteren Drucksachen wie Flyern etc.
  • auf Schilderleitsystemen für die Firmen und Gewerbetreibenden in Ihrer Gemeinde
  • auf Ihrer Website (für deren Erstellung Sie vielleicht auch einen Webdesigner finden, der behandlungsbedürftige Tiere hat)
  • und auf allem, was gesehen und bemerkt wird

Wenn das „Corporate Design“ Ihrer Praxis dann steht:
Rühren Sie sich, damit man Sie wahrnehmen kann! Bieten Sie Vorträge an, z. B. im Stall, im Hundeverein, bei der Volkshochschule. Die Möglichkeiten sind fast unerschöpflich – Sie müssen sich nur das allererste Mal trauen!

Mit etwas Glück und/oder gezielter Vorbereitung wird darüber in der Zeitung berichtet – diese Art der Öffentlichkeitsarbeit bringt Ihnen ohne jeden finanziellen Einsatz mehr als es bezahlte Werbung je könnte – und hat den weiteren Vorteil, dass Sie nicht mit den Restriktionen zu kämpfen haben, die der Gesetzgeber unserer Berufsgruppe in Sachen Werbung auferlegt hat.

Wenn Tierbesitzer Sie kennengelernt haben, werden sie sich auch an Sie wenden, wenn ihr Tier krank ist und einer Behandlung bedarf.

Grundvoraussetzung für Ihren Erfolg ist natürlich fundiertes Wissen und sorgfältiges Arbeiten – „lege artis“= nach den Regeln der Kunst. Aber auch, wenn Sie sich einen Stamm zufriedener Patientenbesitzer aufgebaut haben: Kunden wollen „gepflegt“ werden!
Fachlich in erster Linie, aber auch durch verständliche Kommunikation, durch freundlichen Umgang mit Patienten und ihren Besitzern, durch das Ernstnehmen von Ängsten und Befürchtungen, und im Optimalfall durch Service, den nur Sie auf Ihre persönliche Art und Weise bieten.

Dazu ein Beispiel: In meiner Praxis steht jeden Monat eine andere Heilpflanze im Wartezimmer – deklariert als „Heilpflanze des Monats“, zusammen mit einem kleinen Flyer, der Informationen zu Botanik, Inhaltsstoffen und Anwendungsgebieten gibt. Ja, das macht ein bisschen zusätzliche Arbeit; mittlerweile fragen aber Patientenbesitzer schon danach und sammeln diese Infos. Sie sehen: Es geht auch ohne oder mit wenig Geld – nur eines braucht es immer: Ihre Eigeninitiative!
Gutes Gelingen!

PETRA ABELE PETRA ABELE
TIERHEILPRAKTIKERIN
EIGENE PRAXIS CURA VET IN RHEINHESSEN 

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TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE:

  • Homöopathie
  • Isopathische Regulationstherapie
  • Reintoxine
  • Bach-Blüten-Therapie
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen 

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