Wölfe: Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Die Rückkehr der Wölfe Der Wolf galt von jeher als Inbegriff des Bösen. Im Mittelalter wurden Wölfe für Dämonen gehalten und uns wurden bereits im Kindesalter Geschichten vom bösen Wolf erzählt.

Die Angst, dass der Wolf das Weidevieh reißen könnte, veranlasste den Menschen dazu, den Wolf in die dünn besiedelten Gegenden Osteuropas, Skandinaviens und Russlands zurückzudrängen.

Seit ca. 1850 galt Deutschland so als wolffrei. Doch nun kehren die Wölfe zurück und siedeln sich in unseren Wäldern wieder an. Das erste Wolfspärchen wurde im Jahr 2000 in Ostdeutschland entdeckt. Heute sind es mehr als 100 Wölfe, verteilt über Gesamtdeutschland.

 

Kleine Wolfspopulationen mit steigender Tendenz

Die meisten „deutschen“ Wölfe findet man heute in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Aber auch in Bayern wird der Wolf erwartet. Heute leben bereits neun Wölfe, darunter vier Fähen und fünf Rüden, im Nationalpark Bayerischer Wald, davon sechs Tiere im Kernrudel. Drei zur Gruppe, aber nicht zum Kernrudel gehörende Tiere halten sich immer etwas abseits des Rudels auf, leben aber im gleichen Territorium. Wolfsrudel verhalten sich ausgesprochen territorial. Ein Territorium, das bis zu 100 Quadratkilometer groß sein kann, wird entsprechend immer nur von einem Rudel besiedelt. In den äußeren Randbezirken überschneiden sich die Territorien zum Teil, doch die Kerngebiete werden bis aufs Äußerste verteidigt. In freier Natur besteht ein Wolfsrudel aus fünf bis zehn Tieren.

Die Rückkehr der WölfeChorgesang und gemeinsames Jagen

Wölfe sind Jäger. Sie können Tiere erlegen, die sehr viel größer sind, als sie selbst. Die Ernährung des Wolfes richtet sich nach dem Wildbestand im Territorium. Da in unseren heimischen Wäldern vor allem Rehe zu finden sind, stellen Rehe auch einen erheblichen Nahrungsanteil der Wölfe in Deutschland dar. In Gebieten, in denen der Rothirsch vorkommt, wird auch dieser zur Beute. Aber auch Wildschweine und Hasen stehen auf dem Speiseplan. In den skandinavischen Ländern gehören Elch und Rentier zu den wichtigsten Beutetieren des Wolfes. Wölfe jagen im Rudel, was einen guten Zusammenhalt und eine gute Kommunikation untereinander voraussetzt. Die Jagdstrategie der Wölfe heißt „testen, hetzen, gemeinsam angreifen und Beute gemeinsam überwältigen“. Durch ihren gemeinsamen Chorgesang fördern Wölfe innerhalb des Rudels das Gemeinschaftsgefühl, wobei ihr Heulen über große Distanzen zu hören ist.

Wo der Wolf seine Fährte zieht, wächst der Wald

Zwischen dem Wolf und seinen Beutetieren entwickelt sich eine wechselseitige Beziehung. Durch ihr Jagdverhalten verhindern Wölfe die Übervölkerung der Wälder mit Hirschen, Rehen und Elchen und damit gleichzeitig die Ausbreitung von Krankheiten. Da sie vorwiegend erkrankte und überalterte Tiere erlegen, sorgen sie gleichzeitig für eine gute Selektion. Die Eindämmung des Großwildes schafft Lebensraum für kleinere Tiere wie Hasen oder Auerhähne und zusätzlich stellen die Reste der Wolfsmahlzeit ein Festmahl für Aasfresser dar.

Die Rückkehr der WölfeRotkäppchen lässt grüßen

In zahlreichen Märchen wird der Wolf immer wieder als Bösewicht beschrieben, der sogar Rotkäppchens Großmutter gefressen haben soll. Würde man jedoch tatsächlich einem Wolf in freier Natur begegnen, so würde der Wolf wohl eher weglaufen als angreifen. Wölfe sind von Natur aus scheu dem Menschen gegenüber. Sie können zwar in direkter Nachbarschaft zum Menschen leben, meiden jedoch den direkten Kontakt. Insgesamt betrachtet gibt es nur eine Handvoll dokumentierter Fälle von Angriff auf den Menschen. Dabei handelte es sich allerdings immer um tollwutkranke Wölfe oder um Mischlinge, die von Menschen aufgezogen, dann aber wieder ausgesetzt wurden. Dass ein gesunder Wolf jemals einen Menschen angegriffen hätte, ist in Europa bis heute nicht belegt.

Geteilte Meinung ohne Folgen

Die Rückkehr des Wolfes wurde in Deutschland lange erwartet, da der Wolf eigentlich ein heimisches Wildtier ist. Trotzdem gibt es gespaltene Lager. Einerseits Tier- und Artenschützer, andererseits aber die Jägerschaft, die um ihre Bestände fürchtet und Landwirte, die Angst haben, dass Wölfe ihre Schaf- und Rinderherden angreifen. Doch diese Angst ist unbegründet, denn Wölfe reißen keine Schafe, die von Herdenschutzhunden bewacht werden und überwinden auch keine Elektrozäune, um Rinder jagen zu können. Und sollte doch einmal ein Herdentier dem Wolf zum Opfer fallen, wird der Landwirt vom Staat entschädigt. Der Wolf gilt heute in Deutschland als geschütztes Tier, gestützt von verschiedenen internationalen Abkommen. Man kann dem Wolf also gar nicht zu Leibe rücken und sollte daher lieber seine Ankunft vorbereiten.

Podotrochlose beim PferdDr. Isa Foltin
Tierärztin, Radiologin, Diplom-Journalistin
Tätigkeitsschwerpunkte: Medizinjournalismus für Pharmafirmen, Wissenschafts- und Publikumsmedien, vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier, Spezialgebiet Kernspintomographie (MRT), Fachkunde in Nuklearmedizin
Sonstiges: Dozentin an den Paracelsus Schulen, Redakteurin bei der Mittelbayerischen Zeitung, Chefredakteurin des Magazins „tiere life“, Redakteurin des VDT-Magazins „Mein Tierheilpraktiker“
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Fotos: ©agency animal picture

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