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Vorsicht vor Hobbytherapeuten

Ratgeber für Körper und Seele gibt es nicht nur für menschliche Patienten. Auch rund ums Heimtier entstehen in diesem Bereich viele neue Berufe, da kein gesetzlicher Erlaubnis- oder Zulassungsvorbehalt besteht. Der Tierhalter ist gut beraten, zum Schutz und Wohl seines Tiers nur auf seriöse Angebote zu setzen!

«Ein guter Therapeut klärt den Tier halter auf, welche fachlichen und beruflichen Qualifikationen er hat und warum er mit welcher Methode arbeitet.»

2011-02-Vorsicht1Zum Glück, muss man sagen, gibt es immer mehr Menschen, denen ihr Haustier so am Herzen liegt, dass sie es einem kompetenten Fachmann anvertrauen, wenn Fragen zu seinem Verhalten, zu störendem Verhalten oder zu einer Verhaltensstörung im Raum stehen. Krankhafte Verhaltensweisen können körperliche Störungen verursachen, und umgekehrt können Krankheiten das Verhalten des Tiers beeinflussen. Zudem können – an sich ganz natürliche, aber von uns Menschen als störend empfundene – Verhaltensweisen die Beziehung zwischen Tier und Tierhalter stark beeinträchtigen. Verhaltensprobleme gehören denn auch zu den häufigsten Ursachen für das Aussetzen oder die Euthanasie von Heimtieren. Die rechtzeitige Konsultation einer Fachperson kann Mensch und Tier helfen und einen solchen unwürdigen Ausgang für das einst geliebte Tier verhindern.

Die Qual der richtigen Wahl ist groß

Das Problem dabei ist nur, den richtigen Fachmann oder die richtige Fachfrau zu finden. Ist es der Tierarzt oder doch ein Tierheilpraktiker? Ein Tierpsychologe, Tierdolmetscher, Tiertelepath oder Tierkommunikator? Ein tierpsychologischer Verhaltensberater, ein Tierverhaltenstherapeut oder gar ein Tierflüsterer? Das Angebot ist ebenso exotisch wie vielfältig, was damit zusammenhängt, dass alle diese Berufsbilder und Berufsbezeichnungen bis auf denjenigen des Tierarztes gesetzlich nicht geschützt sind. Grundsätzlich darf jede und jeder seine vermeintliche Kompetenz damit "schmücken".

Nun fühlen sich sicher viele Menschen stark zu Tieren hingezogen, so dass sie auch beruflich "etwas für die lieben Tiere machen" wollen. Früher wurde man deswegen Tierarzt, Landwirt, Tierpfleger oder Tierarztpraxisassistentin. Heute nützen findige Bildungsträger die Berufsfreiheit auch für nicht anerkannte Tierberufe aus, bieten für jeden Geschmack, Trend und Geldbeutel irgendwelche Lehrgänge und Ausbildungen an und dekorieren zu allem Übel die Kursteilnehmenden auch noch mit einem – ebenfalls nicht anerkannten – Diplom oder Zertifikat. Aber nur ganz wenige, die ein solches Attest in ihrer Praxis hängen haben, schätzen die ganze Tragweite der Verhaltensmedizin von Tieren und die wirklichen Anforderungen daran richtig ein. Schließlich geht es hier um ein komplexes veterinärmedizinisches Fachgebiet.

Nach der Qualifikation fragen

Die Qual der Wahl der richtigen Fachfrau oder des richtigen Fachmanns für die Verhaltensberatung beim Tier ist also groß, sehr groß. Ein guter Therapeut klärt den Tierhalter auf, welche fachlichen und beruflichen Qualifikationen er hat, und warum er mit welcher Methode arbeitet. Ansonsten soll man als Tierhalter unbedingt nach der Qualifikation fragen: Es geht um das Wohl des Tieres und letztlich darum, dass es durch fehlerhafte Massnahmen mehr Schaden als Nutzen davon tragen wird.

Seriös verstandene und seriös praktizierte Verhaltensmedizin für Tiere ist ein komplexes Fachgebiet, geprägt einerseits von der Tiermedizin und andererseits von der Ethologie, der vergleichenden Verhaltensforschung. Grundsteine dafür legte der Nobelpreisträger und Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der mit vielen Biologen und Zoologen zur Kenntnis gelangt ist, dass Basis einer seriösen Tierverhaltenstherapie nur die genaue Kenntnis des artspezifischen Verhaltens sein kann. Und diese Kenntnisse wiederum beruhen auf fundiertem tiermedizinischem Fachwissen wie gattungs- und artspezifische Entwicklung, Sozial- und Sexualverhalten, Brutpflege, Aggressionen sowie anderen Ausdrucksformen und vielem mehr.

Nur ausgewiesene Fachleute

Ausgebildete Tierärzte verfügen über eine umfassende tiermedizinische Ausbildung. Sie sind deshalb sicher eine gute Adresse, wenn es um Verhaltensfragen des Tieres geht. Neben den Kleintierärzten und ihren auf Verhaltensmedizin spezialisierten Kollegen gibt es in jüngster Zeit zunehmend Bemühungen, das Berufsbild des Verhaltenstherapeuten auch für Menschen zu etablieren, die kein veterinärmedizinisches Studium absolviert haben. Skepsis ist sicher dann am Platz, wenn sie sich nicht über eine auf dieser Stufe anspruchsvolle Ausbildung ausweisen können.

Die Berufsbezeichnung „Tierheilpraktiker“ existiert seit über 130 Jahren. Die Paracelsus Schulen haben in einem wichtigen Rechtsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht BVG die Rechtsgrundlagen zur Führung dieser Berufsbezeichnung gesichert und gemeinsam mit dem Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V. anerkannte Ausbildungs- und Prüfungsstandards eingeführt. Wer den aufwändigen und intensiven Berufslehrgang erfolgreich mit einer Zertifizierungsprüfung abschließt, ist berechtigt, den Titel „Geprüfte/r Tierheilpraktiker/ in (VDT)“ zu führen.

Jeder Tierhalter ist gut beraten, wenn er sich bei Verhaltensfragen zu seinem Liebling ausschliesslich an einen dieser ausgewiesenen Fachleute wendet.

Text: Dr. Christian Ruetz