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Freigänger-Katzen im Sommer

Der Sommer ist da, die Tage und Nächte sind länger und viele Menschen, die Katzen Freigang gewähren, fragen sich voller Sorge: Warum kommt meine Katze nicht nach Hause?

Winterdepressionen kann auch Katzen befallen. Genügend UV-Strahlungen im Frühjahr und im Sommer hebt die Stimmung und macht auch Katzen unternehmungslustig.Nicht nur die Dauer des Freigangs scheint in den Sommermonaten länger zu sein, sondern auch das Verhalten unserer Katzen und Kater, seien sie nun kastriert oder unkastriert, ist anders als in den Winter- und Herbstmonaten. Woran liegt das? Der berühmte Katzenforscher Professor Leyhausen entdeckte es als Erster. Aber mit Sicherheit haben schon viele Katzenhalter beobachten können, dass es in Sommernächten regelrechte Katzentreffen gibt. Dann sitzen mehrere Katzen ruhig in einer Gruppe zusammen.

"Sit-in" unter Katzen

Wissenschaftliche Erklärungsversuche gibt es viele, aber mit hundertprozentiger Sicherheit konnte bisher noch niemand dieses Verhalten erklären. Am wahrscheinlichsten ist, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen lieben Katzen natürlich auch bessere Wetterverhältnisse und so ein "Sit-in" ist im Sommer natürlich wesentlich angenehmer als im winterlichen Schnee oder im Regen.
Viele Katzenhalter haben im Sommer auch andere Gewohnheiten, ihre Katze herauszulassen. Da steht die Terrassentür beispielsweise Tag und Nacht ein Stückchen offen, im Winter wird die Katze dann am Abend eher hereingerufen. Zu beachten ist auch der Hormonstatus unserer Katzen. Bei nicht kastrierten Tieren gehört das Frühjahr der Fortpflanzung. Im Sommer wird die Katze dann wieder geselliger und ruhiger und genießt Aufenthalte im Freien, eben auch mit anderen Katzen gemeinsam, ohne in Streitigkeiten um rollige Weibchen zu verfallen.

Sonne und Hormonhaushalt

Aber warum müssen wir uns auch Sorgen um unsere Kastraten machen, warum kommen auch sie in den Sommernächten später oder manchmal gar nicht nach Hause? Nicht nur die Wetterverhältnisse, sondern auch die Lichtverhältnisse spielen hier eine große Rolle, die wiederum Einfluss auf den Hormonhaushalt haben. Die Tage sind länger, die Sonne scheint länger. Durch Sonnenlicht können Katzen Vitamin D3 selbst synthetisieren. Im Körper wird es dann zu lebensnotwendigem Vitamin D umgewandelt. Vitamin D hat sehr viele wichtige Aufgaben: Neben der Regulierung des Knochenstoffwechsels hat es nach neuesten Forschungen auch eine Schlüsselfunktion in Bezug auf Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Bei einem richtig funktionierenden Vitamin D-Haushalt hat das Immunsystem schon sehr viel gewonnen.

Winterdepression adé

Aber Vitamin D kann noch mehr: Es hat großen Einfluss auf die Psyche. Genau genommen ist Vitamin D kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons. Der Mangel führt nicht nur zu körperlichen Erkrankungen, sondern kann auch zu Depressionen führen. Die sogenannte Winterdepression kann auch unsere Katzen befallen. Wenn aber nun, wie in den Sommermonaten, genügend lange UV-Strahlung gewährleistet ist, dann hebt sich die Stimmung. Katzen werden unternehmungslustiger. Sie sind besser gelaunt und geselliger. Geht es uns Menschen nicht genauso?
Alle Sorgen sind in der Regel unbegründet, Freigänger kommen auf jeden Fall zurück und die Gefahr von Revierkämpfen und Verletzungen ist in diesen Monaten durchaus geringer. Die Katzen sind toleranter und gelassener. Da duldet auch schon mal ein potenter Kater einen Kastraten neben sich und man geht vielleicht sogar gemeinsam auf Beutefang. Auch dies ist schon beobachtet worden.

Die Katzenuhr tickt anders

Womit wir bei einem weiteren Grund wären, warum in Sommernächten die "Katzenuhr" ein wenig anders tickt. Katzen sind nun mal dämmerungsaktiv. Ihre Hauptjagdzeit haben sie in den frühen Abend- und Morgenstunden und genau in diesem Zeitraum sind auch ihre Beutetiere aktiv. Natürlich sind zum Beispiel Mäuse im Sommer auch zahlreicher anzutreffen als im Winter, und auch eine satte Katze wird nicht Nein sagen, wenn ihr auf dem Weg nach Hause noch eine Maus über den Weg läuft.
Nun spukt auch immer noch in den Köpfen, dass Katzen ausgesprochene Einzelgänger sind. Natürlich gibt es auch Eigenbrötler unter den Katzen, die Mehrheit ist aber doch recht gesellig, und wenn genügend Nahrung und Platz vorhanden sind, können auch Freigänger in überlappenden Revieren gut miteinander auskommen. Und warum sollten sie sich nicht auch mal an einem lauen Sommerabend auf einen Plausch treffen? Was sie dort aber besprechen, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben.

Katzen sind Wüstentiere

Des Weiteren sollten wir noch einen Blick auf die Abstammung unserer Hauskatze werfen. Mittlerweile wissen wir, dass die Vorfahren unserer Hauskatzen aus dem Norden Afrikas und aus Asien stammen. Die Katze ist eigentlich ein Wüstentier, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch unsere Katzen Sonne und Wärme lieben. Vorsicht ist im Grunde nur bei einigen Rassekatzen geboten, die wir mittlerweile so gezüchtet haben, dass sie Sonnenlicht leider nicht mehr so gut vertragen. Ein Beispiel wäre hier die Sphinx, die nur noch mit leichtem Flaum bedeckt ist und sich schnell einen Sonnenbrand holen kann.
Auch ganz alte Katzen vertragen extreme Hitze nicht mehr so gut. Daher verbringen sie ihren Freigang lieber dösend im Schatten und werden sich tagsüber nicht oder kaum entfernen. Einige Rassen lieben sogar Wasser, wie die sehr modern gewordene Bengal oder die Van. Sie lieben es, sich an Bächen oder dem Gartenteich aufzuhalten und dort ein Bad zu nehmen. Solange nicht gerade Nachbars Teich und dessen Fische das Objekt der Begierde sind, sollte man sie ruhig gewähren lassen!

Bloss keine Klimaanlagen

Was uns Menschen im Sommer gut tut, muss noch lange nicht gut für die Katze sein. Daher sei hier auch noch kurz auf das "Sommerschicksal" der Wohnungskatzen eingegangen. Klimaanlagen und Ventilatoren sind keine Erleichterung für Katzen, ganz im Gegenteil: Einige empfindliche Samtpfoten landen dann mit einer Erkältung oder entzündeten Augen in der Tierheilpraxis. Da Katzen selbst am besten wissen, was gut für sie ist, sollte man sie ruhig gewähren lassen, wenn sie einen Raum ohne Klimaanlage aufsuchen möchten!
Ein letzter Tipp: Bitte Nassfutter gerade in den Sommermonaten nicht lange stehen lassen. Reste, die die Katze nicht frisst, wegschmeißen. Sehr schnell kann Nassfutter verderben oder Ungeziefer anlocken.

Text: THP Andrea Delveaux